Archiv für Juni, 2008

Auf der Spitze des Zauberbergs

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags , , am Juni 29, 2008 von sternenschatten

Die letzte Etappe des Romans habe ich an diesem Wochenende auf mich genommen. Ein überwältigender Wälzer, der meiner Meinung nach, zu den anspruchsvollsten Werken Manns zählt. Nicht nur Hans Castorp ist während des 7-jährigen Aufenthalts im Sanatorium „Berghof“ gereift – auch ich habe einiges dazugelernt.

Nach erfolgreichem Aufstieg des Zauberberges, wird es nunmehr Zeit den „Berghof“ zu verlassen. Mit einer gewissen Wehmut auf den Roman zurückblickend, werde ich mich für eines der nachfolgenden Werke entscheiden:

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  • Schuld und Sühne (Dostojewski)
  • Auferstehung (Tolstoi)
  • Der Untergeher (Thomas Bernhard)
  • Die Stimmen von Marrakesh (Elias Canetti)

Tja, wer die Wahl hat… ;-)

Don’t lose yourself

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags , , , , am Juni 27, 2008 von sternenschatten

Es scheint wie ein Fluch, der sich von einem Lebensabschnitt ins nächste schleicht. Unmerklich legt er seinen aus Angst und Zweifel gewebten Mantel über uns, der uns vor weiteres Leid schützen soll. Auf unseren Schultern lastet schwer die Bürde des Lebens. In gebückter Haltung, unter der Last nahezu zusammenbrechend, gehen wir, in der Hoffnung auf Glück, durch das alltägliche Leben. Unseren Erfahrungswerten entsprechend kategorisieren wir die Menschen nach ihrer Wertigkeit. Oder ist es die Wertigkeit der Menschen, die wir zu kategorisieren versuchen?

Die Wertigkeit des Menschen hängt u.a. von der Konstellation zweier oder mehrerer Personen ab. Daraus folgend ist dann erkennbar, welche Entwicklung diese zwischenmenschliche Beziehung nehmen kann, soll oder muss. Die Absichten der jeweiligen Personen zeigen eine Tendenz zum Möglichen. Werden uns diese Möglichkeiten aufgrund der Eingrenzung unserer Vorstellungen genommen, so beginnen wir alsbald die in unserem Fokus befindlichen Menschen nach ihren, unseren oder gemeinsamen Zielen zu kategorisieren.

Dies muss nicht negativ ausgelegt werden. Es kann vielmehr als ein Filtersystem verstanden werden, das uns vor falschen Vorstellungen, Hoffnungen und unmöglich anzusetzenden Ansprüchen schützt. Je nach tendenzieller Möglichkeit steigt oder sinkt die Wertigkeit des Menschen. Der Abstieg ist leichter als der Aufstieg. Doch was muss geschehen, um aufsteigen zu können? Entweder setzt man für beide Menschen neue gemeinsame zu erreichende Ziele oder man modelliert die bestehenden Fakten in eine steigerungsfähige Verbindung und schafft damit für beide Personen neue Möglichkeiten.

Das Mädchen mit dem Regenschirm

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags , , , am Juni 27, 2008 von sternenschatten

Es mag noch so klein klingen, aber das Lächeln eines anderen Menschen kann einen so tristen Morgen – wie diesen – in Sonnenschein tauchen.

So heute, als ich auf dem Weg zur Bushaltestelle war und mir ein kleines, zwischen 8 und 9 Jahre altes Mädchen mit einem für sie viel zu großen Regenschirm entgegen kam. Ihr blondes Haar trug sie wie gewohnt zu einem Zopf, der den Blick auf ihr Gesicht freigab. Auf unseren Schirmen trommelte sacht der Regen, der unseren Schritten den Takt zum Gehen vorgab. So gingen wir aufeinander zu, hörten die Schritte des anderen immer näher auf uns zukommen, blickten auf und schauten uns an. Da lächelte das kleine Mädchen mit dem übergroßen Schirm mich an, worauf ich ihr mit einem Lächeln entgegnete. Freudestrahlend und irgendwie glücklich setze ich meinen Weg zur Bushaltestelle fort und ließ den Regen hinter mir.

Ach, ich beschreibe viele Dinge so ausschweifend, aber ich musste diesen Moment einfach festhalten und niederschreiben.

Rastlos

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags am Juni 18, 2008 von sternenschatten

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Unermüdlich rauscht das Wasser,

prasselnd am Fels entlang

Nichtssagend bleibt sein Geist

Gleichsam dem Wellengang

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Wo noch Worte verlieren? Die Menschen sind wie sie sind… nachlässig…

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Auf hoffnungsvollen Pfaden

Veröffentlicht in Uncategorized mit Tags am Juni 15, 2008 von sternenschatten

Sie kommen und gehen. Die Hoffnung und der Glaube. Wie kleine Sternschnuppen ziehen sie mit ihrem Lichtschweif eine Narbe durch das Firmament und hinterlassen einen Schatten als Sternbild. Die Zeit als desillusionierendes Mittel verglüht in der Wirklichkeit, wenn Misanthropie und Optimismus die humane Gesinnung kreuzen und das durch nihilistische Gebärden geprägte Sein zum Credo der Rastlosen wird. Ein Kampf gegen Goliath erscheint winzig im Vergleich zum eigenen Unvermögen.
Nur ein kleiner Funke ist zurückgeblieben – die Sehnsucht als stilles Zeichen für die Existenz des uns Vorbestimmten, das unser Herz zu heilen und zu füllen vermag. Bereits geboren, existent, auf der irdischen Welt verweilend, um sich mit den vor Zeiten verlorenen Herzen wieder zu verbinden, spüren wir die Unendlichkeit in unserer Brust.

Täuschung – Enttäuschung

Veröffentlicht in literarische Ergüsse am Juni 12, 2008 von sternenschatten

Ich sehe durch seine blutunterlaufenen Augen meine eigenen Worte lesen. Jedes einzelne spinnenartig gewebte Geäst denaturierte mit jedem Impuls. Das Weiß seines feingeäderten Augapfels verfärbte sich ins irreversible Rot. Sein Atem stockte. Bestürzt über die Entdeckung seiner Präsenz in meinen Worten, entrüstet über den inhaltlichen Ausgang und die Entwicklung meines Éros, setzte bei ihm Herzstillstand ein. Gehirnmasse quoll überströmend aus seinem Schädel, lief über sein Gesicht bis hin zu seinen blutigen Augen und bildete zusammen mit diesen einen Brei aus fleischigen Morast.

Es war kein Irrtum unsererseits oder die Verkennung beiderseits, sondern ein von ihm falsch berechnetes Kalkül auf unhaltbaren Wegen basierend. So führte ihn der von ihm selbst eingeschlagene Weg zur Missführung seines Unterfangens. Emotionale Missstände ließen Zweifel aufkommen. Hoffnung schwand infolge seiner mir gegenüber gezeigten und offenkundigen Ignoranz. Alsbald sah ich etwas Konkretes, Photographisches, Ausschlaggebendes: sein gebrochenes Wort – triefend vor Lügen und falschen Versprechungen; ich erkannte die vorliegenden und wahrhaftig bestehenden Tatsachen, welche ich nie sehen wollte. Im Delirium ähnlichen Zustand, getrieben von Bildern, der Neugierde und hinterbliebenden Ohnmacht, sehe ich ein letztes Mal durch seine blutunterlaufenen Augen hinüber zum Tod.

Das Versprechen

Veröffentlicht in literarische Ergüsse mit Tags , , , , , , am Juni 1, 2008 von sternenschatten

„Es ist vollbracht.“. Etwas verwundert und
zugleich der eigenen logischen Überlegung und Abwägung
folgend, las L. die in kalligraphischer Form mit
schwarzer Tinte geschriebenen Wörter nochmals leise vor
sich hin, „Es ist vollbracht.“.
L. wusste genau, worum es ging, doch konnte sie den
Inhalt der Nachricht nicht fassen. Es war nicht das
Unvermögen des Verstandes, das die Begreiflichkeit der
Worte aushöhlte als vielmehr die Fassungslosigkeit über
die Tatsache, dass es soeben vollbracht war und eben
dieses Ereignis sich nicht erleben ließ.
Die Nachricht kam ihrer Meinung nach zu früh. Sie
zählte gerade den 5. Monat des Jahres, denn nach ihrer
Kenntnis sollte der Plan erst am Tag der bestandenen
Prüfung vollzogen werden.
Er hatte es ihr vor langer Zeit versprochen und L.
darum gebeten, sich in Geduld zu üben, „Wenn mein
Ruf ertönen wird, ist alles so, wie man es sich
vorstellte!“, sagte er.
Der Brief kam unvorhergesehen, insgeheim aber hoffte L.
auf jene avisierte Antwort, ohne es ihm gegenüber
jemals offengelegt zu haben. Doch den Erfahrungswerten
entsinnend, konnte L. seinen Worten keinen Glauben
schenken. Zu oft hörte sie leere Versprechungen, die in
regelmäßiger Wiederkehr lediglich einen bitteren
Nachgeschmack hinterlassen haben. Enttäuschung und
Resignation blieben als letzte Trümmersteine des
Verfalls übrig.
Der von ihm als „großer Plan“ titulierte
Ausbruch in die Ruhe, war in den Augen von L. nichts
weiter als der Verrat und die
Verzögerung der Umstände von L. Lebensqualität. Aber
davon wollte er nie etwas wissen und ließ ihre Bedenken
und Zweifel stets unkommentiert.
Die Zeit näherte sich dem Ziel, aber die Entfernung
zwischen L. und ihm wurde immer größer…