Täuschung – Enttäuschung

Ich sehe durch seine blutunterlaufenen Augen meine eigenen Worte lesen. Jedes einzelne spinnenartig gewebte Geäst denaturierte mit jedem Impuls. Das Weiß seines feingeäderten Augapfels verfärbte sich ins irreversible Rot. Sein Atem stockte. Bestürzt über die Entdeckung seiner Präsenz in meinen Worten, entrüstet über den inhaltlichen Ausgang und die Entwicklung meines Éros, setzte bei ihm Herzstillstand ein. Gehirnmasse quoll überströmend aus seinem Schädel, lief über sein Gesicht bis hin zu seinen blutigen Augen und bildete zusammen mit diesen einen Brei aus fleischigen Morast.

Es war kein Irrtum unsererseits oder die Verkennung beiderseits, sondern ein von ihm falsch berechnetes Kalkül auf unhaltbaren Wegen basierend. So führte ihn der von ihm selbst eingeschlagene Weg zur Missführung seines Unterfangens. Emotionale Missstände ließen Zweifel aufkommen. Hoffnung schwand infolge seiner mir gegenüber gezeigten und offenkundigen Ignoranz. Alsbald sah ich etwas Konkretes, Photographisches, Ausschlaggebendes: sein gebrochenes Wort – triefend vor Lügen und falschen Versprechungen; ich erkannte die vorliegenden und wahrhaftig bestehenden Tatsachen, welche ich nie sehen wollte. Im Delirium ähnlichen Zustand, getrieben von Bildern, der Neugierde und hinterbliebenden Ohnmacht, sehe ich ein letztes Mal durch seine blutunterlaufenen Augen hinüber zum Tod.

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